Autokäufer nutzten Umweltprämie kaum für saubere Diesel

Dieselautos der neusten Abgasnorm sind vor Fahrverboten halbwegs sicher. Trotzdem haben sich nach SPIEGEL-Informationen ältere, schmutzigere Fahrzeuge zuletzt noch immer deutlich besser verkauft.


Nach der Einführung strengerer Abgasnormen für Diesel-Pkw (Euro 6d-temp) im September vergangenen Jahres sind die Zulassungszahlen für saubere Diesel nur langsam gestiegen. Von allen zwischen September und Dezember 2017 zugelassenen Diesel-Fahrzeugen erfüllte nur ein Zehntel die neue Norm – etwa 40.000 Stück.

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Damit dürfte ein Großteil der von Herstellern für eingetauschte Alt-Diesel gewährten Umweltprämie in Fahrzeuge mit hohem Abgasausstoß geflossen sein. Diese Prämie hatte die Autoindustrie im Rahmen des so genannten Diesel-Gipfels im Sommer 2017 gegenüber der Politik angekündigt und anschließend in Form hoher Rabatte gewährt.

Grenzwerte müssen auf der Straße eingehalten werden

Bei der Euro-6d-Norm müssen die Grenzwerte etwa für Stickoxide nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch unter realen Fahrbedingungen auf der Straße eingehalten werden. Nur Besitzer von Fahrzeugen, die diese Norm erfüllen, sind relativ sicher, von Fahrverboten auch in Zukunft verschont zu bleiben.

Die Norm Euro 6d-temp gilt seit 2017 nur für neue Autotypen und vom September 2019 an für alle neuen verkauften Diesel-Autos. Sie ist etwas milder als Euro 6d. Diese gilt von 2020 an für neue Typen und von 2021 an für alle Modelle.

“Märchen vom sauberen Diesel”

Etwa 12.000 der 2017 zugelassenen sauberen Diesel stammen von Volvo, etwas mehr als 9000 von BMW. Von der Marke VW, die den Dieselskandal mit ihrer Betrugssoftware auslöste, stammen gerade einmal 2000 saubere Diesel-Autos.

Für den Grünen-Verkehrsexperten Oliver Krischer sind die von der Bundesregierung erhobenen Zahlen ein weiterer Beleg für das “Märchen vom sauberen Diesel”. Die Luft in den Innenstädten durch Verkaufsanreize für neue Autos sauber machen zu wollen, so wie es Autoindustrie und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) suggerierten, “verkommt angesichts dieser Zahlen zu einem schlechten Witz”, urteilt Krischer. Fahrverbote in den Innenstädten würden so nicht verhindert.

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