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Mercedes hat mit der Maybach-Studie “Vision Ultimate Luxury” gezeigt, wie ein Luxus-SUV der Marke aussehen könnte. Der Wagen appelliert fast schamlos an die Eitelkeit der Besitzer. Vielleicht gut, dass er nicht gebaut wird.


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Mercedes-Maybach

Von Tom Grünweg

Tom Grünweg

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Freitag, 10.08.2018  
04:33 Uhr

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Der erste Eindruck: Luxus im Überfluss. Als SUV mit Stufenheck wirkt das Auto so exaltiert, dass selbst Modelle wie ein Bentley Bentayga oder Rolls-Royce Cullinan dagegen bescheiden wirken.

Das sagt der Hersteller: Wenn Maybach als letzte Luxusmarke mit dem SUV-Segment liebäugelt, dann wenigstens mit einer frischen Idee, sagt Mercedes-Designchef Gorden Wagener. Deshalb habe man ein SUV mit einer Limousine gekreuzt und so ein neues Format gefunden. Der Hersteller kombiniert damit die beiden weltweit erfolgreichsten Segmente.

Das ist uns aufgefallen: So ungewöhnlich und fremd das Konzept mit dem sperrigen Namen “Vision Ultimate Luxury” von außen wirken mag, so stimmig ist das Interieur aus schillernden Metall-Verkleidungen in drallen Formen. Und bequem ist es im Wagen obendrein.


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Mercedes-Maybach

Die Maybach-Macher gönnten den Passagieren eine ungewöhnliche Hutablage, die sich wie eine Krempe um die Sitze legt. Zwischen den Sitze befindet sich eine Mittelkonsole, die so massiv ist, dass sie in anderen Autos für einen weiteren Sitzplatz reichen würde. Stattdessen ist dort eine Vase untergebracht, ebenso wie ein klimatisiertes Fach, in dem bei 85 Grad ein Kännchen grüner Tee simmert. Fast selbstredend, dass die passenden Tassen dazu vorgewärmt werden.

Das Showcar wurde im Mercedes-Designstudio in Peking erdacht und gemacht, weil die chinesischen Millionäre sich leicht damit tun, ihren Luxus auch nach außen zu kehren. Nirgendwo sonst auf der Welt werden so viele Maybach-Modelle verkauft wie dort.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Maybach SUV – mit unserem 360-Grad-Foto:

Die besten Plätze im Wagen sind natürlich hinten, die sogenannten Lounge Chairs. Der Fahrer vorne darf dagegen nicht ruhen, sondern sollte sich kräftig konzentrieren. Schließlich ist die Studie ein millionenschweres Einzelstück, das nach insgesamt sechs Jahren Konzeptarbeit binnen drei Monaten von Hand aufgebaut wurde. Während SUV, die sonst als robust gelten, über Stock und Stein fahren, tut sich das Showcar schon mit einer Borsteinkante schwer. Zu fragil sind die 24 Zoll großen Turbinen-Felgen und zu dürftig ist das Fahrwerk, das sie unter die Kunststoffkarosse geschraubt haben. Viel mehr als Schritttempo ist deshalb nicht drin.

Das Konzept sieht als Antrieb vier E-Maschinen von zusammen 750 PS vor und einen Akku von 80 kWh, die Spitzengeschwindigkeit würde dann bei 250 km/h liegen, die Reichweite bei 500 Kilometern.

Das muss man wissen: Könnte, würde, wäre – wenn die Mercedes-Manager über das Konzept sprechen, dann nur im Konjunktiv. Denn eine Produktionsfreigabe für den im Rot der chinesischen Fahne lackierten Riesen gibt es nicht. Zwar ist das nach den beiden Sportwagenstudien aus Pebble Beach bereits das dritte Konzept, mit dem Mercedes den Kaufreiz der Superreichen stimuliert. Doch nach dem wenig erfolgreichen Relaunch der Marke Anfang des neuen Jahrhunderts will der Konzern derzeit nicht in die Entwicklung eines eigenen Modells investieren. Auch, weil die Strategie, die Marke Maybach als höchste Ausstattungsvariante der S-Klasse einzusetzen, aufzugehen scheint. Einzelne Designelemente des Wagens werden es hingegen sicher künftig in Serie schaffen.

Das werden wir nicht vergessen: Die roségoldene Verkleidung der Vordersitze. Das Interieur des Maybachs ist so poliert, dass man sich darin spiegelt. Würde der Wagen in Serie gehen – kein Auto schmeichele der Eitelkeit seiner Besitzer mehr.

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