Schönheit ist vergänglich

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Auf der XJ-Geburtstagsfahrt
Bild: Hersteller

Der Jaguar XJ ist unbestritten eines der schönsten Autos aller Zeiten. Nun ist er 50 Jahre alt. Anlass genug, seine acht Generationen näher zu betrachten.

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          Fünfzig Jahre. Für einen Menschen ist das Erreichen dieses Alters eine Zäsur, kaum ein Geburtstag wird so groß gefeiert, steht man doch in der Blüte seiner Jahre, und das Finale ist noch so fern. Autos könnten im Prinzip ewig leben, nur werden nicht viele ein halbes Jahrhundert alt, selbst als Baureihe nicht. Der Jaguar XJ gehört jetzt zu dem elitären Club, dem der Porsche 911 schon vor vier Jahren beigetreten ist. Der VW Golf muss noch bis 2024 warten, der Range Rover nur bis 2020.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          • F.A.Z.

          1968 auf dem Pariser Automobilsalon debütierte der „Experimental Jaguar“ (XJ), eine coupéhafte Limousine, die erstmals in der Markengeschichte auf den springenden Jaguar auf der Motorhaube verzichtete. Der XJ zählt ohne Zweifel zu den schönsten Autos aller Zeiten, sieben weitere Baureihen lang blieb die 68er-Urform mehr oder weniger erhalten, bis dann 2009 der XJ mit dem internen Code X351 die Tradition brach. Am bis heute im neuen Kleid verkauften XJ scheiden sich die Geister, sein Design polarisiert, es hat eigentlich nichts mehr mit dem alten zu tun, die meisten Freunde der Marke haben sich noch nicht damit arrangiert. Sie träumen immer noch von den alten Linien.

          Nun, Tradition wird von den europäischen Autoherstellern inzwischen gepflegt, fast alle kümmern sich intensiv um ihr Erbe, die entsprechenden Abteilungen werden immer größer. Da ist es kein Wunder, dass Jaguar das Jubiläum seiner neben dem Sportwagen E-Type legendärsten Baureihe mit einer Fahrt vom Werk in Castle Bromwich zum Pariser Autosalon 2018 feierte.

          Bilderstrecke

          16 Jaguar XJ aus allen Baureihen machen sich an einem frühen Sonntagmorgen in Castle Bromwich auf den Weg, es geht in verschiedenen Etappen nach Portsmouth in Südengland und dann mit der Fähre über Nacht nach St-Malo. Von dort aus fahren die Jags mit einem Abstecher über Le Mans bis ins Herz von Paris. Mehr als 850 Kilometer werden ohne Probleme zurückgelegt, nur das nötige Umschalten von dem einen auf den anderen Tank bei den frühen XJ wird manches Mal vergessen und führt zu kurzfristigen Stopps. Die größte Herausforderung der gesamten Tour ist der Kreisel um den Triumphbogen im Feierabendverkehr und die Ansage aus dem iPhone-Navi: „Nehmen Sie die achte Ausfahrt!“

          Alle 16 Fahrzeuge gehören Jaguar-Land-Rover (JLR), auch das zeigt den Stellenwert, den das alte Auto heute hat. Und noch deutlicher wird dies beim ersten Halt kurz nach dem Start in den „Classic Works“ in Coventry. Hier frönt JLR auf mehr als 14.000 Quadratmeter Fläche seiner Vergangenheit. 2017 eröffnet, werden hier im großen Stil in einem neuen Gebäude alte Land Rover und Jaguar gewartet, repariert und auch restauriert und dabei gern auf Wunsch im sogenannten Reborn-Programm in einen Zustand „besser-als-neu“ versetzt. So ein Fahrzeug, das kann ein alter Serie-I-Land-Rover aus den späten vierziger Jahren sein oder ein Jaguar E-Type aus den Sechzigern, kostet schließlich 150.000 Euro und mehr.

          JLR baut diesen Classic-Geschäftszweig mehr und mehr aus, unlängst eröffnete in Essen ein ähnliches Zentrum, auf geringerer Fläche, aber auch unter JLR-Hoheit. In Coventry herrscht klinische Fabrikatmosphäre, schon weil alles so weitläufig ist. Und einen großer Teil der vielen Quadratmeter nimmt die Autosammlung von JLR ein, die jedoch nicht nur eigene Fahrzeuge umfasst. Viele stammen aus dem Privatbesitz eines Zahnarztes, den man aufgekauft hatte. Mehr als 500 Autos sind es, Schwerpunkt britische Fahrzeuge.

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